Business oder Berufung?

Über die Motivation in der Buchbranche zu arbeiten

Von Dominique Conrad

Warum wollen junge Leute gerade in der Buchbranche arbeiten? Wegen der hervorragenden Verdienstmöglichkeiten oder guten Karrierechancen? Wohl kaum. Fragt man einmal Germanistikstudenten, Auszubildende Medienkaufleute und Buchhändler oder Praktikanten nach ihrer Motivation, in dieser Branche zu arbeiten, erhält man häufig die Antwort: „Weil ich Bücher mag.“ oder „Weil ich gerne lese.“

Den alten Hasen in der Buchbranche mag bei einer solchen Antwort ein Schauer des Entsetzens über den Rücken laufen. Diese romantischen Idealisten sollen der Nachwuchs sein, der später einmal die Geschicke der Buchbranche lenkt? Zur Herstellung und zum Verkauf von Büchern oder gar digitalen Inhalten gehört natürlich weit mehr, als nur gerne zu lesen. Und doch sind es gerade die Freude am Lesen, die Faszination für das Medium Buch und vielleicht auch der Nimbus des Intellektuellen, die das Interesse an der Arbeit in unserer Branche erst wecken. Wichtig ist nur, dass man bei diesem Punkt nicht stehen bleibt, dass darüber hinaus die Vielfältigkeit der Arbeitsfelder innerhalb der Buchbranche aufgezeigt wird.

Schließlich gibt es nicht nur Belletristik-Lektoren, sondern auch Vertriebler im Sachbuchverlag, PR-Menschen im Ratgebersegment und Hersteller von Geschenkbüchern – ganz zu schweigen von den Möglichkeiten und Jobs, die die Digitalisierung bietet. Sicher, der Germanistikstudent wird wahrscheinlich eher von einem Job im Lektorat als im Vertrieb träumen, aber Volontariat, Ausbildung oder Praktikum ermöglichen Einblicke in unterschiedliche Abteilungen. Vielleicht entdeckt dabei so mancher auch neue Interessen, die über seine Anfangsmotivation hinausgehen.

Gerade die Motivation ist es, welche viele Mitarbeiter in Verlagen und Buchhandlungen von denen anderer Branchen unterscheidet. In der Buchbranche arbeitet man nicht aus rein ökonomischen Gründen – da gäbe es attraktivere Branchen –, sondern aus Interesse an den Arbeitsgebieten und den Produkten. Diese Freude an den Büchern führt auch dazu, dass neben den leichtverkäuflichen Titeln auch Nischenthemen bedient werden oder besonders anspruchsvolle Literatur veröffentlicht wird. Da findet sich in der Buchhandlung neben der Stapelware auch ein Bändchen mit moderner Lyrik. In anderen Branchen würde man eine solche Mischkalkulation für Wahnsinn halten. Verlage und Buchhandlungen haben aber nicht nur wirtschaftliche Ziele, sondern auch einen kulturellen Auftrag.

Es stellt sich nun die Frage, ob wir weltfremde Träumer sind, die zu sehr an der Kultur hängen – oder ob die Buchbranche vielleicht bereits zum reinen Geschäft verkommt, in dem nur noch Verkaufszahlen regieren. Fest steht jedoch eines: Mit motivierten Mitarbeitern lassen sich bessere Bücher machen und diese besser verkaufen.

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