Am Anfang war der Lektorwunsch

Vom Kanalbauarbeiter zum Lektor und was aus der Bücherliebe tatsächlich werden kann – und wird.

von Sophia Strietholt

Foto: Rechte vorbehalten von forgottenx

„Ich möchte was mit Büchern machen!“
Dieser oder ähnliche Gedanken standen wohl bei den Meisten, die mittlerweile in irgendeiner Weise in der Buchbranche tätig sind, am Anfang jeglicher Berufsplanung. Doch wie kann ich später mit Büchern arbeiten, und vor allem als was überhaupt? Kann man da überhaupt was in der Richtung studieren?

Bei mir persönlich reifte der Gedanke des Büchermachens schon einige Zeit, wurde jedoch von dem „ich mach was Sinnvolles mit meinem Leben, also werde ich Arzt“-Gedanken lange Zeit überschattet. Erst als ich mit der Schule in einem Berufsinformationszentrum war, ging mir ein Licht auf. Zwar spuckte der Computer, in dessen Händen meine weitere Zukunft lag, eine lange Reihe von Fehlgriffen aus (unter anderem „Kanalbauarbeiter“). Doch wie durch ein Wunder gesellte sich ein einzelnes, aus heutiger Sicht fast magisches Wort darunter: Lektor. Das Wort brannte sich mir ein, und nach einiger Recherche wusste ich Bescheid über den Beruf des Lektors: Er macht Bücher. Und da das wunderbar mit meinen bereits vorhandenen Plänen übereinstimmte, wusste ich also von nun an meinen Traumberuf.

Fünf Jahre, die Hälfte eines Bachelor-Studiums und einige Desillusionen später ist es immer noch der Beruf des Lektors, den ich irgendwann einmal inne haben möchte. Doch bin ich nicht die Einzige, im Gegenteil, und mit Berufsangeboten für Lektoren sind nun auch nicht gerade die Straßen gepflastert. Schlechte Berufsaussichten, vergleichsweise geringe Bezahlung, Unsicherheit, größtmögliche Konkurrenz. Eigentlich sollte ich doch besser wieder zur Arztkarriere zurückkehren und was „Sinnvolles“ machen, oder?

Ich mache trotzdem weiter. Nicht nur, weil ich Bücher liebe, nicht nur, weil ich glaube, dass ich nicht ganz so schlecht bin, in dem, was ich tue, und nicht nur, weil mir die Branche nach wie vor überaus attraktiv vorkommt.

Ich mache weiter, weil ich gelernt habe, dass „ich mach was mit Büchern“ nicht nur aus „Lektor sein“ besteht. Ob die verschiedenen Abteilungen im Verlag, der Zwischen- oder Bucheinzelhandel, Selbstständigkeit, Agenturen, Literaturvermittlung oder Werbeexperte — in welchem Bereich man auch immer landet, jeder hat spannende und büchernahe Aufgaben und Möglichkeiten zu bieten, und das gibt einem Hoffnung. Auch wenn der Beruf des Lektors wahrscheinlich der größte Magnet für die Jugend ist, die in die Buchbranche strebt, bleibt dieser sicher am Ende nicht der einzige Beruf, den man sich als Branchennachwuchs vorstellen kann. Im Gegenteil, für viele ist es ein Sprungbrett, von dem man tiefer in die Bücherwelt abtauchen kann, als es auf den ersten Blick erscheint.

Und sollte sich für mich am Ende doch gar nichts finden, kann ich immer noch Kanalbauarbeiter werden – schließlich wurde dies mir vom Computer im Berufsinformationszentrum wärmstens empfohlen.

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