BuchCamp 2012 – Ein Erlebnisbericht

Am 5. und 6. Mail lud das Forum Zukunft im Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Rahmen des 3. BuchCamps zum Gedankenaustausch innerhalb der Branche nach Frankfurt a. M. ein.

Das Format hat sich bereits erfolgreich entwickelt, die 130 Plätze waren schon nach wenigen Stunden ausgebucht. Die Teilnehmer selbst boten 24 Sessions mit vielfältigen Themen rund um Innovation und Digitalisierung an. Insgesamt hatte man die Chance sechs davon zu besuchen, aber auch zwischen den Sessions und am Samstagabend wird die Diskussion bei Bier und Büffet fortgesetzt.

In der Session zum Thema Skills und Ausbildung im elektronischen Publizieren moderierte Hans Huck, der für das Thema Ausbildung im AKEP zuständig ist. Hier konnten sich Azubis, Berufseinsteiger und Seniors über die Anforderungen an sich wandelnde Berufsbilder austauschen. Die Franktion der Studenten bemängelte die oft fehlenden Angebote an den Unis besonders in technischen Belangen des E-Publishing. Es herrschte aber auch der Konsens, dass man vieles sowieso besser im Praktikum oder Job lernen kann. Hans Huck betonte die Wichtigkeit von Projektmanagern, die sowohl Detailwissen über technische Abläufe aber auch strategisches und organisatorisches Geschick, Durchsetzungskraft und soziale Kompetenz mitbringen.

Die zweite Session begann mit symbolträchtigen Gummibärchen. Das Thema war DRM – Schutz oder Schaden? Einige Teilnhemer bekamen von Mela Eckenfels Gummibärchentüten (freie E-Books), andere mussten ihren Namen auf die Tüten schreiben (Wasserzeichen), wer Pech hat erhielt Gummibärchen mit hartem DRM, die so fest mit Packband umwickelt waren, dass man keine Chance hatte, den Süßkram zu naschen. Die logische Reaktion – man teilt die Gummibärchen in der Runde auf – führte unmittelbar zum Thema Piraterie und Sinnhaftigkeit von DRM. Hierbei ging es nicht nur um Aspekte der Nutzerfreundlichkeit sondern auch um die Privatsphäre (die Referentin ist bekennende Piratin) und um die Barrierefreiheit.

Die dritte Session stimmte mit dem Thema Innovation schon ein wenig auf die anstehenden Buchtage ein. Unternehmensberater Ehrhardt Heinold diskutierte mit den Teilnehmern auf welchen Bereichen des Verlages Innovation stattfinden kann, welche Hindernisse für Innovation existieren und wie man diese überwinden könnte.

Anschließend stellte Nicolai Eckerlein eines der Prototype Projekte vor, in dem es um E-Book Support für Buchhändler und Verlage geht. Anhand eines Ticketsystems und einer Form von Wissensmanagement im Wiki soll hier allen Branchenteilnehmern geholfen werden, häufige Probleme im Zusammenhang mit der Nutzung von E-Books und Readern beim Kunden zu lösen. Die Diskussion mit den anwesenden Buchhändlern zeigt: Hier gibt es sehr viele Baustellen!

Am nächsten Tag stellte Michael Dreusicke sein Konzept von Smart Content/Semantic Web vor. Hier werden Texte in ihre kleinsten logischen Bestandteile zerlegt (Wort, Satz) und mit IDs versehen. Dieses Vorgehen ermöglicht die Konzeption mehrdimensionaler Produkte. Die Idee dahinter ist, nicht mehr den Text selbst zu monetariseren, sondern durch die Strukturierung zusätzliche Services um den Text (Community, E-Learning, Annotationen) gegen Aufpreis anzubieten bzw. individuell auf die Benutzerbedürfnisse zuzuschneiden.

Ganz zum Schluss bot Anne Pin noch einen Ausflug in die Japanische Handyroman-Kultur.

Insgesamt verließ ich mit vielen neuen Eindrücken und Gedankenanstößen die Veranstaltung. Das freie Format ermöglichte eine gleichberechtigte Diskussion zwischen den Teilnehmern, die ihren eigenen Blickwinkel beisteuern konnten. Es bot die Chance viele motivierte Menschen mit neuen Ideen anzutreffen und schaffte einen Austausch zwischen Branchenkennern und Nachwuchs.

Ob es ein 4. BuchCamp geben wird, ließen die Veranstalter bewusst offen. Schließlich hat sich das Format nach drei Durchgängen so erfolgreich etabliert, dass es für einen neuen Innovationsimpuls vielleicht schon wieder eines anderen Formats bedarf.

von Johanna Krobitzsch

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