Jobtausch – Vom Verlag in die Buchhandlung und andersrum

Die Generationsmanagement AG redet nicht lange, sondern macht gleich Nägel mit Köpfen. Und das gründlich: Das Projekt „Mein Job – Dein Job – Unsere Branche“ ist spannend und einmalig.

von Nina Wolfframm und Eva Enzinger


Bei der Frankfurter Buchmesse treffen sich Eva Enzinger, Auszubildende im 2. Lehrjahr bei der Osianderschen Buchhandlung und Nina Wolfframm, Werbeleitung im Gmeiner-Verlag.

Gemeinsam entwickeln sie 2011 das Projekt „Mein Job-Dein Job-Unsere Branche“. Die Idee: wir vernetzen uns mit Kollegen aus anderen Sparten, lernen von ihnen mehr über ihren Beruf und ihr Unternehmen und arbeiten einige Tagen dort auch ganz praktisch mit. Auszubildende können als Teil ihrer Ausbildung von Partnerunternehmen betreut und geschult werden – also ein Partner- und Patenschaftsprojekt.

Nina bei Osiander:

Was passiert eigentlich mit unseren Büchern, bevor sie beim Leser landen? Wer liest unsere Programmvorschau und vor allem: wie liest er sie? Welche Cover verleiten zum Anfassen? Wie muss ein Plakat aussehen, damit es einen Platz im Laden findet? Zwei Tage konnte ich im Rahmen des Projekts nach Antworten auf diese Fragen suchen und erfahren, was die Kollegen im Handel leisten.

Der erste Tag war gefüllt mit Besichtigungen der verschiedenen Stationen. Zunächst bekam ich eine spannende Führung durch das Logistikzentrum. Beeindruckt von der Menge der dort eintreffenden Bücher gab es eine erste Lektion: Leseexemplare, die nicht klar auf dem Cover als solche gekennzeichnet sind, führen zu einer Menge Mehrarbeit, da jedes einzelne Buch aufgeschlagen werden muss, um die Leseexemplare zwischen den Verkaufsexemplaren zu finden.

Nach dem Logistikzentrum stand das Service-Center auf dem Plan. Alle Mitarbeiter nahmen sich viel Zeit mir ihre Aufgaben zu erklären, von der Bestellannahme über die Rechnungsstellung und die Remissionen bis zum Versand. Anschließend folgte ein Rundgang durch die größte Osiander-Filiale in Reutlingen, das Stammhaus in Tübingen und die Azubi-Filiale.

Der zweite Tag war dafür vorgesehen, Evas Arbeitsplatz kennenzulernen. Ich hatte nicht erwartet, wie vielseitig der Arbeitsalltag einer Buchhändlerin ist. Neben der Arbeit an der Kasse müssen Bücher aus den Bücherwannen aus- und in die Regale eingeräumt werden, Schaufenster und Büchertische dekoriert und bestückt, Bestellungen aufgegeben und natürlich Kunden beraten werden. Ich war überrascht zu sehen, wie viele Leser ohne genaue Vorstellungen in den Laden kamen und ein Buch empfohlen haben wollten, welches „so lustig ist wie Ildiko von Kürthy“ ist, oder „ein Geschenk für eine junggebliebene Mittfünfzigerin“. Nach einem vollen Tag merkte ich an meinen schmerzenden Füßen einen großen Unterschied zu meinem Job: eine Buchhändlerin muss den ganzen Tag stehen!

Das Projekt hat meine Arbeit nachhaltig beeinflusst. Ich erinnere mich bei vielen Entscheidungen an Situationen, die ich bei Osiander erlebt habe und kann besser nachvollziehen, wie beispielsweise mit unserer Vorschau gearbeitet wird oder welche Werbemittel tatsächlich beim Verkauf helfen. Und: ich habe Aufkleber für unsere Leseexemplare drucken lassen.

Eva bei Gmeiner:

Verlagsarbeit – mehr als vage Vorstellungen habe ich im Vorfeld des Projekts nicht davon.

Aber dass man hier einfach nur gemütlich am PC sitzt – das kann ich ganz schnell in die Klischeekiste stecken. Denn als ich im Verlag ankomme, wird mir eins schnell klar: hier herrscht ganz schön Trubel. Die Vorschauen für das Herbstprogramm müssen noch mal überarbeitet werden, ebenso einige Cover. Und das innerhalb kürzester Zeit. Das bedeutet Diskussionen über Layout und Design, Bildrecherche, Auswahl und Farbbearbeitung. Was wirkt wie, was spricht Buchhändler wie Endkunden an und was ist praktisch überhaupt möglich?

Und dann die hochkonzentrierte Arbeit im Lektorat – ganz schön anstrengend.  Spannend und teils auch erheiternd das Anlesen eingesandter Manuskripte; dagegen lief das Erstellen von eBooks völlig anders als erwartet– und so manch Tücke der Technik wurde sehr schnell deutlich.

Und dann die ganze Verwaltung – ein Aufwand, den ich mir so nicht hätte vorstellen können.

Fazit: Absolut gelungen und weiterzuempfehlen – in diesen beiden Tagen habe ich weit mehr gelernt als erwartet. Und auch viele Dinge, mit denen ich nie gerechnet hätte. Vor allem aber war es toll, etwas ganz Neues zu sehen, neue Perspektiven auf die Branche zu gewinnen, in alles hineinschnuppern und auch viel ausprobieren zu dürfen – und nette neue Kontakte zu knüpfen! Eine tolle Chance!

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3 Gedanken zu “Jobtausch – Vom Verlag in die Buchhandlung und andersrum

  1. Sehr schöne Aktion! Übrigens eine Perspektive, die die Bücherfrauen in ihrem Netzwerk schon seit über 20 Jahren sehr gerne einnehmen, mit dem Blick über den Tellerrand der jeweils anderen Sparten. Freue mich hier weitere Berichte zu lesen über solche Erfahrungsaustauschsaktionen.

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