Bericht von der AKEP Jahrestagung 2011 – Im Team das Spielfeld dominieren

Vortrag: Prof. Dr. Gernold Frank (Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin): eCollaboration Spielfeld und Spielplatz

Prof. Dr. Gernold Frank

Prof. Dr. Gernold Frank

Im Programmheft wird der Vortrag des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Gernold Frank unter anderem mit diesem Satz angekündigt: „Die Verlage der Zukunft werden Netzwerke knüpfen und in agilen Teams Kompetenzen entwickeln“. Darin enthalten sind eine Menge Reizworte für die Buchbranche. Dabei ging es dem Wirtschaftswissenschaftler in seinem Vortrag „eCollaboration. Spielfeld und Spielplatz“ vor allem um zwei zentrale Annahmen. Zum einen, dass die Teamarbeit für kreative Prozesse noch wichtiger werden wird. Zum anderen, dass die Verlage sich öffnen müssen, weil es sehr schwer sein wird, alle Lösungen in einem Haus zu versammeln.

Die Unternehmen der Buchbranche müssten, analysiert der Wissenschaftler, Teamarbeit neu organisieren. Von einem Mann, dessen Forschungsschwerpunkt Personal und Organisation ist, klingt ein solcher Rat fast zwangsläufig. Immerhin kann er schlecht sagen, alles bleibt wie es war. Denn eigentlich schon immer wird die Produktivität durch Arbeitsteilung gesteigert. Doch die neuen Möglichkeiten durch die Digitalisierung und das Internet forciert die Wandlung zu moderner Teamarbeit und dem Networking.

Teamarbeit auf dem Spielfeld und Chaos auf dem Spielplatz

Das Spiel sei die passende Metapher für das zeitgenössische Personalmanagement, so Frank. Sie machen Spaß, haben große immersive Fähigkeiten und verschiedene Facetten: von Chaos bis Kollaboration. Die veränderte Aufgabe des Managements sei es das Spielfeld von einem Spielplatz zu unterscheiden. Auf dem Spielplatz gebe es keine Regeln und das Spiel artet in Chaos aus. Darum müsse das Management durch Anreizsysteme und Guidelines ein Spielfeld abstecken, auf dem eCollaboration stattfinden kann. Das Spielfeld hat Regeln, die zur Produktivität beitragen. Zwingender Teil dieser Idee ist, dass jeder im Team seinen Arbeitsbereich kennt. Frank demonstriert die Unterschiede des klassischen und modernen Teamworks an Hand zweier kurzer Videoclips. Im ersten Clip sieht man die Demonstration einer Tanzgymnastik-Formation, bei der sich alle militärisch gleich bewegen. Im zweiten Clip ist ein Formel1-Boxenstopp zu sehen, bei dem jeder Handgriff sitzt. Demonstrieren wollte Frank, dass der Boxenstopp ein solches Spielfeld ist, bei dem unterschiedliche Aufgaben arbeitsteilig zu einem gemeinsamen Ziel führen. Allerdings sind die Beispiele schief. Auch die Tanzformation erreicht das definierte Ziel – gerade weil alle dasselbe machen. Beim Boxenstopp hat zwar jeder Mechaniker individuelle Handgriffe, doch diese Handgriffe sind genauestens definiert. Für Kreativität oder selbständiges Arbeiten ist in beiden Beispielen kein Raum. Denn eigentlich gehört zur richtigen Vorbereitung des Spielfeldes, dass der Gruppenleiter die einzelnen Arbeitsschritte nicht vorschreibt. Untersuchungen ergaben eine niedrigere Erfolgsquote bei vorgeschriebenen Arbeitsschritten. Flexible Teams, die sich ihre Meilensteine selber setzen würden, seien erfolgreicher.

Faszinieren Sie!

Die kommende Generation von Entscheidern, so wie Frank sie erwartet, legt bedingt durch die genannten Veränderungen der Arbeitswelt Wert auf Individualität und Flexibilität am Arbeitsplatz. Die neue Aufgabe des Arbeitgebers sei es, den Bewerber und die Mitarbeiter zu faszinieren. Unter der Bedingung der Individualität und Flexibilität sei Faszination für die eigene Arbeit die effektivste Motivation. Es verhält sich wie beim Formel 1 Boxenstopp: Jeder Mechaniker will, dass der Fahrer und das eigene Auto gewinnen – darin liegt die Faszination. Dafür gibt er sein Bestes. Franks Vortrag richtet sich an die Entscheider in Unternehmen. Jene, die eCollaboration anstoßen können und die kontrollieren, dass aus dem Spielfeld kein Spielplatz wird. Darum fordert der Wissenschaftler zum Abschluss seines Vortrags: „Change Leadership“. Führungskräfte sollen nicht mehr den Takt vorgeben, sondern nur noch Leitlinien, beziehungsweise die Richtung. Die entscheidende Frage ist: Wie kann erfolgreiche Zusammenarbeit (Collaboration) in welchem Rahmen (Spielfeld vs. Spielplatz) initiiert werden?

Eine Frage der Sichtweise

Insgesamt präsentiert Frank in seinem Vortrag eine sehr positive Einschätzung der neuen Teamarbeit und der dafür benötigten Generation von individuellen und flexiblen Arbeitnehmern. Damit stellt er sich deutlich gegen die Position, die von dem amerikanischen Soziologen Richard Sennett bezogen wird, wonach die Teamarbeit zu Oberflächlichkeit und die Flexibilität zu Verunsicherung führen. Die Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs findet sich, wenn man sich die unterschiedlichen Positionen vergegenwärtigt, aus denen die beiden Wissenschaftler argumentieren. Während Sennett sich als Vertreter des mittelständischen Arbeitnehmers versteht, spricht Frank für die kommenden Entscheider. Beide jedoch haben keinen Zweifel daran, dass die Teamarbeit noch wichtiger werden wird.

von Bastian Buchtaleck

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