Das Schlachten verstehen und gestalten

Der sogenannte Nachwuchs zeige mitunter dieselben Kulturbewahrerzüge wie die alten grauen Herren in vielen Führungsetagen. Nicht nur mit dieser Aussage in seinem Artikel „Das Schlachten beginnt – das ängstliche Blöken der Verlage ist die Antwort“  hat Steffen Meier für Aufsehen gesorgt. Hat er damit auch recht?

von Hanna Hartberger

Es ist immer schwierig, eine Generation pauschal über einen Kamm zu scheren. Deshalb ist die grundsätzliche Herangehensweise von Steffen Meier, verschiedene Gruppen der Buchbranche nach ihrer „ideologischen“ Ausrichtung einzuteilen, gar nicht schlecht. Er eröffnet die Gruppe der Innovatoren, der Mutigen und der Treiber und prognostiziert, dass viele aus dieser Gruppe aus Ermüdungserscheinungen der Branche den Rücken kehren werden. Grund dafür sind die Angehörigen der anderen großen Gruppe, die sich als Wahrer des Kulturguts Buch sehen und Veränderungen durch Neuer Medien nur sehr langsam annehmen, wenn überhaupt

Verstehen, was passiert

Der Artikel teilt aus – doch kann man wenig dagegen sagen. Trotz vieler Menschen, die gegenüber neuen technologischen Möglichkeiten aufgeschlossen sind und beispielsweise bei ProtoTYPE teilnehmen, gibt es zu viele von uns, die sich zu wenig geöffnet haben. Dabei heißt Offenheit gar nicht unbedingt, dass man selbst technisch versiert sein muss. Man sollte nur grob verstehen, was passiert und welches Nutzerbedürfnis jeweils dahinter steckt. Dafür braucht es keine Informatikkenntnisse, sondern im Grunde nur die Bereitschaft, das Gespräch zu suchen und sich auf neue Service-Formen einzulassen.

Reflektieren, was passiert

Warum man das tun sollte? Um mitreden und dabei sein zu können und um sich die Existenz seiner Arbeitsstelle zu sichern. Steffen Meier wirft die berechtigte Frage auf, wie unsere Arbeitsplätze in 20 oder 50 Jahren aussehen werden. Die einzige Antwort, die man ehrlich geben kann, lautet: Keine Ahnung, aber anders als heute. Weil sich die Gesellschaft schneller denn je verändert, weil bereits heute kaum einer mehr ohne Smartphone aus dem Haus geht und ohne Google Maps keinen Weg mehr findet. Und es geht hier explizit nicht um ideologische Bewertung. Völlig egal, was wir privat von diesen Entwicklungen halten, müssen wir uns auf beruflicher Ebene damit auseinandersetzen. Denn wenn sich die Gesellschaft verändert, verändern sich unsere Autoren und unsere Leser gleichermaßen.

Entdecken, was passiert

Gerade wir als junge Generation sollten uns für neue Entwicklungen öffnen – und uns damit auf eine große Entdeckungsreise begeben, die nicht zulasten des Buchs gehen wird, wie wir es kennen. Auch beim Buchcamp, wo es allerorten um neue Ideen ging, waren unendlich viele leidenschaftliche Leser dabei – Leidenschaft für Bücher mag sich heute anders zeigen als früher, ist aber deswegen nicht weniger stark.

Hanna Hartberger studierte Buchwissenschaft und Neuere Deutsche Literaturgeschichte. Heute arbeitet sie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Buchbranche. Ihre Erfahrungen und Meinungen dokumentiert sie auf www.alles-fliesst.com/.

 

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Ein Gedanke zu “Das Schlachten verstehen und gestalten

  1. Pingback: Gastbeitrag im Blog des Branchennachwuchses : πάντα ῥεῖ – Alles fließt.

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