Fragen an die Parteien: 3. Leseförderung / Medienkompetenz

3. Leseförderung / Medienkompetenz

Im Zeitalter der Online-Kommunikation hat die Bedeutung des Lesens als eine der wichtigsten Grundkompetenzen zur gesellschaftlichen Partizipation und der Aneignung sowie dem Austausch von Wissen weiter zugenommen. Gleichzeitig sind in unserem Land laut einer Studie der Universität Hamburg über zwei Millionen Menschen Analphabeten und über sieben Millionen Menschen so genannte funktionale Analphabeten. Auch auf diesem Feld kommt der Buchbranche eine zentrale Bedeutung zu: Sie betreibt insbesondere kindliche Leseförderung und nimmt über die Organisation von Veranstaltungen und anderen Aktionen, wie beispielsweise den Welttag des Buches oder den bundesweiten Vorlesewettbewerb, ihren gesellschaftlichen Auftrag wahr, indem sie Kompetenzen im Umgang mit Medien vermittelt.


Frage: Welche konkreten Maßnahmen werden sie ergreifen, um Lese- und Medienkompetenz in unseren Kindergärten und Schulen zu fördern?

cducsu

CDU und CSU wollen gleiche Bildungschancen für alle Kinder von Anfang an. Mit einer guten frühkindlichen Bildung und Erziehung unterstützen wir sie dabei. Wir setzen uns für Sprachtests für alle Kinder ab drei Jahren ein. Wo sich herausstellt, dass die Sprachkenntnisse nicht ausreichen, soll eine verpflichtende Sprachförderung in der Kita und in der Schule erfolgen.
Zudem starteten CDU und CSU die bundesweite frühkindliche Leseförderinitiative „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“. Im Rahmen dieses Programms erhalten Eltern und Kinder insgesamt dreimal ein Lesestart-Set mit einem altersgerechten Buch sowie Informationsmaterialien zum Thema Vorlesen. Die Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitforschung zu „Lesestart“ zeigen, dass die Lesestart-Sets von den Eltern geschätzt werden und sich positiv auf ihr Vorleseverhalten und damit auf die Bildungschancen ihrer Kinder auswirken.
Aufgrund der rasanten technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im gesamten Medienbereich ist es erforderlich, dass alle Generationen kompetent mit den gängigen Medien umgehen können. Kinder müssen bereits in der Schule fächerübergreifend Medienkompetenz erlernen. Initiativen, wie das „Netz für Kinder“, ermöglichen Kindern einen sachkundigen Umgang mit dem Internet. Das allein reicht jedoch nicht: Kinder und Jugendliche brauchen ausreichend Schutz vor den Risiken der modernen Medienwelt. Sie müssen im Internet vor entwicklungsbeeinträchtigenden und gefährdenden Angeboten, unter anderem durch den Einsatz geeigneter Jugendschutzsoftware, geschützt werden. Deshalb muss der Jugendschutzmedien-Staatsvertrag im Zuge der Entstehung neuer Problemfelder sukzessive angepasst werden.

————————————————————————————————

spd
Die rasante Entwicklung der digitalen Medien und Informations- und Kommunikationstechnologien erweitern den Kanon für eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe erforderlicher Kulturtechniken. Nur wenn wir Lese- und Medienkompetenz stärken, können wir Teilhabe und Bildungschancen im Internet ausbauen, aber auch die erforderliche Kritikfähigkeit und Verantwortlichkeit ausbilden. Vor allem die Schule ist der Ort, an dem grundlegende Kulturtechniken wie das Lesen und eben auch der Umgang mit den Neuen Medien ebenso vermittelt wie eingesetzt werden. Erfreulich ist, dass über die Bedeutung von Medienkompetenz und deren Rahmenbedingungen große Einigkeit besteht.
Die Stärkung der Medienbildung in der Schule wird uns aber nur dann gelingen, wenn wir die schulischen Rahmenbedingungen insgesamt verbessern. Die SPD fordert vor diesem Hintergrund, das Kooperationsverbot im Grundgesetz für alle Bildungsbereiche abzuschaffen und bis 2015 über alle Sektoren mindestens sieben Prozent des BIP für Bildung aufzuwenden. Um diesem Ziel näher zu kommen, haben wir einen Verfassungsvorschlag für einen neuen Bildungskooperationsartikel 104c vorgelegt und zur Finanzierung in einem Nationalen Pakt für Bildung und Entschuldung einen realistischen Weg aufgezeigt, wie jährlich rund 20 Mrd. Euro zusätzlich in Bildung aufgewendet werden können, je 10 Mrd. Euro vom Bund und von den Ländern. Mit diesem deutlische Impuls für den Bildungsstandort Deutschland werden wir erheblich zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit Deutschlands beitragen und die Voraussetzungen schaffen, damit die Medienbildung im schulischen Bereich gestärkt werden kann. Ohne diese verfassungsrechtliche Erweiterung und ohne diesen finanziellen Kraftakt besteht die Gefahr, dass die Bildungsziele nicht erreicht werden können.
Wir setzen uns dafür ein, dass alle Schülerinnen und Schüler mit einem mobilen Computer bzw. Tablet ausgerüstet werden. Ein digitales Lernumfeld und ein „digitales Klassenzimmer“ werden wir jedoch nur dann erreichen können, wenn auch die Lehrkräfte über eine entsprechende Ausbildung verfügen (inklusive Weiterbildungsangeboten) und die Entwicklung von modernen Lern- / Bildungskonzepten voranschreitet. Diese müssen überarbeitet und an die Zukunft des digitalen Klassenzimmers angepasst werden. Dazu bedarf es der Digitalisierung von Schulbüchern und Lehr- und Lerninhalten und deren Zugänglichmachung im Netz bzw. in Intranets. Die Nutzung neuer Medien wie etwa von Tablet-Rechnern im Unterricht darf nicht zu Lasten der Beschäftigung mit klassischen Medien wie etwa Buch, Film und Zeitung gehen. Vielmehr muss der zunehmenden Bedeutung von Medien mit einer Ausweitung der Medienbildung begegnet werden.
Der Umgang mit Medien muss auch in der frühkindlichen Lebensphase Bestandteil der Erziehungsarbeit sein. Pädagogische Fachkräfte müssen in die Lage versetzt werden, durch Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote neue und sich wandelnde Aufgaben in der Medienerziehung erfüllen zu können. Für die Eltern sind Angebote zu entwickeln, damit sich diese über die vielfältigen Aspekte der Medienerziehung informieren können. Von den Eltern ist zu erwarten, dass sie sich aktiv mit dem Mediennutzungsverhalten ihrer Kinder auseinander setzen und etwa bei der Nutzung des Internets ihre Kinder unterstützend begleiten und anleiten.
Zur Bereitstellung der notwendigen Ressourcen für eine Ausweitung der Medienbildung und Medienerziehung ist eine engere Kooperation von Bund, Ländern und Kommunen erforderlich. Erst eine Abschaffung des Kooperationsverbots im Grundgesetz für den Bereich der schulischen Bildung schafft den notwendigen Rahmen, um hier sinnvoll gemeinsame Projekte zu starten und für eine ausreichende Finanzierung für diese Pläne zu sorgen. Sofern es trotz der Blockade unionsgeführter Bundesländern gelingt, das Kooperationsverbot in der Bildung in den nächsten Jahren abzuschaffen, werden wir zwischen Bund, Ländern und Kommunen Gespräche anstreben, um zu prüfen, in welchen Bereichen der Bildungszusammenarbeit prioritär Projekte gefördert werden sollten.
Neben diesen Vorschlägen zur Verbesserung der Lese- und Medienkompetenz insbesondere mithilfe der Neuen Medien kommt es auch darauf an, die klassische Mediennutzung zu stärken. Projekte wie die vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) unterstützte „Nationale Initiative Printmedien“ oder die aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Internationale Jugendbibliothek wollen wir fortführen und ausbauen.

————————————————————————————————

fdp
Die FDP hat die Ergebnisse der Level-One Studie mit großer Besorgnis zur Kenntnis genommen und sich mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass Maßnahmen zur Stärkung der Alphabetisierung eingeleitet wurden. In diesem Sinne haben wir die nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener unterstützt und werden diese zu einer nationalen Alphabetisierungsdekade weiterentwickeln. Für die Initiative zur arbeitsplatzorientierten Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Alphabetisierung und Grundbildung haben wir rund 20 Mio. € zur Verfügung gestellt. Die Erfahrungswerte sollen bei der Gründung einer Alpha-Stiftung einfließen, mit der wir ein möglichst flächendeckendes und nachfragegerechtes Kursangebot aufbauen wollen. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass in Deutschland ein gesellschaftspolitisches Klima entsteht, in dem Analphabetismus enttabuisiert und alle gesellschaftspolitischen Kräfte sensibilisiert werden. Ziel ist es, z.B. durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen, bei mehr Betroffenen ein Bewusstsein und Interesse für die nachschulische Grundbildung zu generieren und gleichzeitig die verantwortlichen politischen Ebenen bei dem Ausbau des Angebots zu unterstützen. Schließlich möchten wir auf die wirklich herausragende, vom Bund unterstütze Initiative „Lesestart“ der Stiftung Lesen aufmerksam machen. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, Kinder und junge Eltern durch die Vergabe von altersgerechten Büchern zum (Vor-)Lesen zu animieren und begeistern. Auf diese Weise lässt sich die Liebe zum Lesen und zum Buch ganz hervorragend befördern.

————————————————————————————————

MCS_Gruene_Logo_gru¦ên_RZ
Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist eine gesunde Sprachentwicklung inklusive Textkompetenz eine der Grundlagen für den Bildungserfolg. Deswegen setzen wir uns nicht nur aus integrations-, sondern auch aus inklusionspolitischen Gründen für die Förderung des Spracherwerbs ein. So wollen wir die Sprachbildung in Kitas und Schulen stärken. Sie muss frühzeitig ansetzen, in den Alltag der Kinder und Jugendlichen integriert sein und ihre Familiensprachen mit einbeziehen. Bei der Sprachbildung und Sprachförderung in den Kindertagesstätten setzen wir auf Chancengleichheit, Integration und Sprachförderung von Anfang an. Hierfür müssen die Bundesmittel für die Sprachförderung massiv aufgestockt werden, um deutlich mehr Kinder zu erreichen.
Bereits in Kindertagesstätten muss der Grundstein für spätere Medienkompetenz gelegt werden. Medienbildung muss sich wie ein roter Faden durch alle staatlichen oder staatlich geförderten Bildungsangebote ziehen. Wir fordern, Medienpädagogik als verpflichtenden Teil in die Ausbildung nicht nur von Lehrerinnen und Lehrern, sondern auch von Erzieherinnen und Erziehern sowie anderen pädagogischen Berufen zu integrieren sowie flächendeckend entsprechende Weiterbildungen für pädagogisches Fachpersonal anzubieten.
Wir fordern, Medienbildung in den Lehrplänen der Schulen fest zu verankern, jedoch nicht als eigenes Schulfach, sondern als Querschnittsaufgabe. Konzepte, die Medienkompetenz als reines Abfragewissen verstehen, wie das bei den Ideen eines „Medienführerscheins“ der Fall ist, lehnen wir ab. Medienkompetenz erfordert erlebtes Lernen, Interaktivität, den Einsatz sowie die Nutzung von Medien in verschiedensten Situationen und muss immer weiter entwickelt werden. Nur dann ist es möglich, das breite Spektrum der Möglichkeiten und Chancen zu erfahren, welches die Medien (nicht nur das Internet!) bieten. Allerdings ist es wichtig, dass das Thema fest – sowohl in der Ausbildung für alle pädagogischen Berufe als auch in den Lehrplänen der Schulen – verankert wird. Darüber hinaus muss es entsprechende Weiterbildungsangebote für die verschiedenen Berufsgruppen geben.

————————————————————————————————

DieLinke_RGB
Für DIE LINKE ist Bildung ein Menschenrecht. Bildung trägt dazu bei, dass Menschen ihr Leben selbstbewusst, selbstbestimmt und selbständig gestalten und gesellschaftliche Zustände kritisch bewerten und verändern können. Deshalb muss jedem Menschen der Zugang zu Bildung ermöglicht werden – ein Leben lang. Der Zugang zu Bildung darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Das ist eine der Grundvoraussetzungen für Bildungsteilhabe. Bildung muss als öffentliche Aufgabe auch öffentlich finanziert werden.
Lesekompetenz ist ein wesentlicher Schlüssel zu jeglicher Bildung und Kultur, ist Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Zur Vermittlung von Bildungsinhalten und Kompetenzen bedarf es grundsätzlich einer entsprechenden Ausstattung und Zeit. Wir müssen die notwendigen Rahmenbedingungen (personell, sächlich, z.B. ausreichend gute Bücher, Technik, Computer etc., finanziell, räumlich, zeitlich) für Kitas, Schulen, aber auch außerschulischen Bildungseinrichtungen schaffen, damit sie überhaupt in der Lage sind, ihrem Bildungsauftrag nachzukommen. Bildungseinrichtungen müssen durch sinnvolle und nachhaltige Unterstützungs- und Kooperationssysteme (Schule – Kita/außerschulische Bildungseinrichtungen) in ihrer Arbeit gestärkt werden (motivierende Arbeit beim Heranführen an Literatur, Schulbibliotheken, Vorlesetage).
In den Schulen muss den Kindern und Jugendlichen umfassende Medienkompetenz durch medienpädagogisch und mediendidaktisch hoch qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer vermittelt werden. Demzufolge muss die Lehrerausbildung in qualitativer und quantitativer Hinsicht unbedingt verbessert werden. Medienpädagogik muss dabei ein fester Bestandteil des Curriculums sein. Medienpädagogik muss verpflichtend an Universitäten und Berufsbildungsschulen gelehrt werden. Gleiches gilt auch für die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung an den Fachschulen.
Wir brauchen eine Gemeinschaftsschule, in der alle Kinder und Jugendlichen individuell gefördert werden können und kein Kind oder Jugendlicher zurückgelassen wird.
Wir setzen uns für Lehr- und Lernmittelfreiheit ein sowie für einen kostenlosen Zugang und offenen Austausch von digitalen Lehr- und Lernmitteln.

————————————————————————————————

piraten
Die Lese- und Medienkompetenz ist heutzutage der Zugang zu Wissen schlechthin. So forderten wir z.B. bereits bei der Landtagswahl in Niedersachsen in unserem Wahlprogramm die Förderung der Medienkompetenz in Schulen usw. Ziel ist hier neben dem Lesen aber vorrangig der Umgang mit den sogenannten „neuen Medien“.

 

– Eine Initiative vom Nachwuchs für den Nachwuchs und die Branche. Gestartet von den Nachwuchssprecherinnen Jana Zawadzki und Lisa Maria Keil und ihrem Vorgänger Tony Stubenrauch. –

Advertisements

Ein Gedanke zu “Fragen an die Parteien: 3. Leseförderung / Medienkompetenz

  1. In anderen gesellschaftlichen Bereichen feiert der Nazi-Begriff von der „Daseinsvorsorge“ Urständ und Verstaatlichung ist zwei Jahrzehnte nach dem Bankrott der DDR wieder in aller Munde: Banken, Wasserwerke, Kinderbetreuung, staatlicher Mindestlohn, staatliche Regulierung der Mietpreise, staatliche Deckelung der Managergehälter.
    Bei Leseförderung/Medienkompetenz wird jede Festlegung ängstlich vermieden. Da plötzlich geht es um (private) Kampagnen und Initiativen (wie die löblichen Aktivitäten des Börsenvereins). Aber es werden ständig neue Untersuchungen zur Lesekompetenz finanziert oder Buchgeschenke an Familien und Arztpraxen gelobt.

    Die Zuständigkeit für Leseförderung und Medienerziehung treten die Kultusminister/-innen gerne in oberflächlichen Kooperationsverträgen an den Bibliotheksverband und kommunale Büchereien ab, die reihenweise geschlossen werden.

    In fast der Hälfte der deutschen Schulen existiert in irgendeiner Form eine Schulbibliothek, in der sich fast immer ausschließlich Eltern und Lehrer/-innen engagieren. Das Wort Schulbibliothek fehlt in allen parteipolitischen Stellungnahmen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s