Einmal Berlin und zurück

– mediacampus Frankfurt – Berliner Buchtage – Frankfurter Buchmesse –
von: Stefanie Spiesecke

So schnell kann es gehen: Heute noch am mediacampus in Frankfurt zu meinem ersten Block zur Ausbildung als Buchhändlerin – gefühlt morgen plötzlich auf der Frankfurter Buchmesse, zusammen mit etablierten Kollegen aus der Buchbranche bei einer Podiumsdiskussion über Selfpublishing und den Buchhandel. Und dazwischen: Ein Abstecher zu den Berliner Buchtagen. Wenn das mal kein Symbol dafür ist, wie weitreichend das Feld ist und wie offen es auch uns, dem Nachwuchs im Buchhandel, steht.

Aber vielleicht von vorne: Am mediacampus in Frankfurt habe ich zum ersten Mal vom Nachwuchsparlament gehört und es war keine Frage, dass ich da dabei sein wollte, wenn irgendwie möglich.

Meine Bewerbung ging wenige Tage später via Mail raus. Man konnte zwischen verschiedenen Themen wählen und entscheiden, an welchem man sich in welcher Weise gedanklich beteiligen möchte. Ich entschied mich für ein Thema, dass mir ohnehin schon länger am Herzen lag: Selfpublishing. Nicht, weil ich Autorin wäre und meine Bücher nicht über Verlage verlegen wollte, sondern weil die Kundenanfragen deutlich machen, dass Selfpublishing steigend ein Thema wird, dem sich die Buchbranche stellen muss.

Nach einem grübelnden Spaziergang über den Campus kamen mir dann auch ein paar Gedanken dazu, auf welche Weise eine Verknüpfung zwischen all den kleinen Elementen einzelner Selfpublisher und einzelner Bücher, und den großen Institutionen im Buchhandel: Verlagen, Zwischenbuchhändlern und Buchhandlungen möglich wäre. Die Idee vom „Selfpublisher-Verband“ war geboren. Damals wusste ich noch nicht, dass diese etwa 3 Monate vorher bereits geboren und umgesetzt worden war und es einen ersten „Verband in den Startlöchern“ gab, der bereits erste Schritte machte sich zu etablieren. Dass gute Gedanken an mehreren Orten zu mehreren Zeiten entwickelt werden, spricht generell ja eher für als gegen die Idee. Ich jedenfalls war erleichtert etwas gefunden zu haben hinter dem ich stand und das ich, ein wenig weiterentwickelt, als Bewerbung einreichen konnte. Es dauerte nicht lange, bis ich via E-Mail meine Zusage bekam und mich auf zwei Tage Berlin freuen durfte.

Ein paar Tage danach erhielt ich die Anfrage, ob ich meine Idee bei den Berliner Buchtagen vorstellen möchte. In den vier verschiedenen Themenbereichen hatte man offenbar die jeweils besten Idee ausgewählt und wollte diese dann auch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Ich sagte natürlich sofort zu und verbrachte danach noch etwas Zeit damit, die Präsentation auf ein Flip Chart zu packen und mit nach Berlin zu nehmen. Ich war wahnsinnig aufgeregt.

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© A. Wingerter

Die Berliner Buchtage waren vor allem eines: Voll. Voller Ideen und Engagement, voller Eindrücke und wichtiger Worte, voller neuer Erfahrungen und guter Gespräche. Insgesamt ist die Teilnahme am Nachwuchsparlament etwas, was ich Jedem nur empfehlen kann. Sie lässt einen weit über den Tellerrand des eigenen Arbeitsplatzes hinaus blicken und verschafft uns einen Überblick darüber, was sich ringsum abspielt. Welche Trends gerade entstehen, was diskutiert wird, welchen neuen Herausforderungen und Anforderungen die Branche sich künftig zu stellen hat.

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© A. Wingerter

Mein Vortrag ging dann, trotz der Nervosität im Vorfeld, ziemlich mühelos über die Bühne. So groß wie gedacht war das Publikum nicht, da ringsum andere Veranstaltungen stattfanden und die Vorstellungen der Nachwuchs-Ideen nur eine von vielen war und das Publikum war interessiert und freundlich, sodass ein guter Austausch stattfinden konnte.

Nachdem ich die Berliner Buchtage gut hinter mich gebracht hatte und auch meinen ersten Berufsschulblock, ging es erst einmal wieder zurück an meinen Arbeitzplatz: Die Mayersche Filiale in Siegen. Mit vielen guten Erinnerungen und nützlichem Wissen angefüllt, betritt man die Arbeitsfläche, auch nach dem Unterricht in der Berufsschule, ganz anders als man sie verlassen hat. Plötzlich tauchen lauter Fragen darüber auf, wie bestimmte Konditionen und Absprache am eigenen Arbeitsplatz geregelt sind und man versteht viele Abläufe deutlich besser.

Eigentlich dachte ich, mit dem kleinen Vortrag bei den Berliner Buchtagen hätten sich meine öffentlichen Auftritte dann auch erstmal erledigt. Ich hatte mir vorgenommen, immer mal wieder zu schauen, was der wirklich existierende Verband derzeit so leistet und in wie weit meine Vorstellung davon, dass er die Brücke bilden könnte die uns im Moment in der Buchbranche fehlt stimmt, wusste aber noch nicht, dass ich bald Gelegenheit bekommen sollte, noch weitere Perspektiven kennen zu lernen und meine Gedanken zu vermitteln.

Ich bekam abermals eine E-Mail: Ruckzuck-Buch lud mich ein bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Selfpublishing und der Buchhandel“ teilzunehmen. Ich sagte zu – und war natürlich wieder sehr aufgeregt, aber auch froh darüber, dass das Thema weiterhin Wellen schlug und nicht klanglos untergehen würde. Vielleicht sind die Bücher von Selfpublishern nicht die Einzigen, die Platz in den Regalen des Buchhandels verdienen – denn dieser reicht oft auch schon für viele schöne und wichtige und individuelle Titel von kleineren, unbahängigen Verlagen nicht aus – aber sie sind dennoch ein Phänomen, das steigend an Kundeninteresse gewinnt und damit die Aufmerksamkeit verdient, welche sie nun immer mehr bekommen. Die Podiumsdiskussion sollte auf der Frankfurter Buchmesse stattfinden und fiel passend auf einen Tag, an dem ich auf jeden Fall dort sein würde.

© mediacampus frankfurt

© mediacampus frankfurt

Die Frankfurter Buchmesse war vor allem eines: Auch voll. Voller Stände, Bücher, Menschen, und voller kreativer Ideen, was die Gestaltung der Stände betraf. Ich war wie schon im vorigen Jahr ein wenig überfordert (ich schaffe es jedes Jahr aufs Neue mich zu verlaufen) und wahnsinnig beeindruckt, aber im Gegensatz zum letzten Jahr hatte ich dieses Jahr einige Termine und Vorhaben, also einen generellen Plan.

Einer meiner Termine war dann auch gleich am ersten Tag meiner Anwesenheit – dem Donnerstag – die Podiusmdiskussion. Kurzfristig wurde ich noch nach der Powerpoint Präsentation gefragt, die sich zum Glück noch irgendwo in meinem E-Mail Fach befand – und dann konnte es auch schon losgehen.

Moderiert wurde die Präsentation von Marcel Plagemann. Die anderen Teilnehmer kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und hatten aus unterschiedlichen Gründen ein Interesse daran, den Buchhandel und den aufkommenden Self-Publishing-Trend zu verbinden.

Vera Nentwich ist IT-Beraterin und Autorin humorvoller Romane, Selfpublisherin mit eigener Internetplattform und Mitglied des Anfang des Jahres gegründeten Selfpublisher-Verbands. Sie hat einen offenen Brief an den Buchhandel verfasst, in welchem sie fragt wie es sein kann, dass ihr Buch, wenn es von Kunden angefragt wird, nicht über den Buchhandel zu erhalten ist. Das Angebot sich bei ihr via Telefon oder E-Mail zu melden steht – und somit stehen der Zusammenarbeit was genau im Wege? Organisationsstrukturen? Wissen auf Buchhandelsseite? Wissen auf Selfpublisher-Seite? Kontakte? Alles ein wenig. Und alles gleichermaßen. Aber nun, da die Buchbranche steigend den Blick auf Selfpublisher richtet, besteht womöglich die Hoffnung Lösungen für diese Lücken zu finden und eine Verbindung zu schaffen.

Daniel Lenz ist stellvertretender Chefredakteur und Betriebsleiter des Buchreports und Entwickler des neuen Indie-Katalogs, der unabhängigen Verlagen eine Bühne bieten soll, ihre Print und Digital-Programme vorzustellen und zu vermarkten. Diese Plattform gibt den kleineren Verlagen und einzelnen Autoren die Möglichkeit, in der Masse sichtbar zu werden und richtet die Aufmerksamkeit darauf, wie groß die Anzahl potenziell gut verkäuflicher, individueller und wichtiger Bücher dem stationären Buchhandel verloren gehen, wenn das Angebot zu sehr in Richtung Mainstream läuft.

Sönke Schulz ist Geschäftsführer von Tredition, einem der großen Selfpublishing-Dienstleister, welches die Bücher von Selfpublishern nicht nur vermarktet, sondern auch auf eine gewisse formale Qualität achtet. Er steht für die an einigen Stellen steigende Qualität selbstvermarkteter Bücher (beziehungsweise mithilfe entsprechender Dienstleister vermarkteter Bücher) und lehrt, dass die Abwesenheit eines Verlages bei der Buchproduktions längst nicht mehr maßgeblich für die Abwesenheit von Know How oder für eine niedrige Qualität des Entproduktes steht.

© mediacampus frankfurt

© mediacampus frankfurt

Die Erfahrung mit diesen drei Personen in einer Gesprächsrunde zu sitzen und einen Austausch zur aktuellen Herauforderung „Selfpublishing“ zu erleben, kann ich euch kaum angemessen beschreiben. Und natürlich war die Zeit viel zu kurz, jedes Unterthema hätte noch eine ganze Weile ausführlicher und mit einem hilfreicheren Konsens besprochen werden können. Dennoch hatte ich im Anschluss den Eindruck, dass die Branche an sich auf einem guten Weg ist und es Hoffnung dahingehend gibt, dass der Markt künftig einen Wandel durchmacht, der die Vielfalt von Selfpublishing Produkten nicht mehr auf das Internet beschränkt.

Ich denke insgesamt werden wir zum Thema Selfpublishing in Zukunft noch eine Menge hören.

Für mich persönlich war die Frankfurter Buchmesse nach der Podiumsdiskussion eine sehr relaxte und angenehme Angelegenheit. Über den Austausch habe ich noch viel nachdenken müssen und hoffe, noch öfter die Möglichkeit zu haben dieses und viele andere aktuelle Themen mit klugen Köpfen aus der Branche zu diskutieren. Wenn etwas den Reiz meines Berufes am ehesten ausmacht, dann sind es die steigend neuen Herausforderungen und die Notwendigkeit von Ideen und Versuchen, um die eigenen Abläufe einen Schritt weiter in eine sich ständig wandelnde Zukunft zu rücken. Ich denke, wir werden alle noch einige spannende Jahre in dieser Branche erleben und möchte euch gerne mit auf den Weg geben: Nutzt sie. Nehmt mit, was ihr könnt, tauscht euch mit den anderen Leuten aus und sammelt Erfahrungen. Es gibt nichts Angenehmeres, als sich zu entscheidenden Entwicklungen ein eigenes Bild gemacht hat – und nichts lehrreicheres, als es wieder umzuwerfen und neu zu ergründen.

Link zum Podcast der Podiumsdiskussion (Achtung: Zwischen der 15ten und der 33ten Minute gibt es eine Tonunterbrechung, danach hört man den Ton wieder)

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